PV-Überschussladen mit dem TopAC powered by Shelly
- Tobias Volk
- vor 1 Stunde
- 6 Min. Lesezeit
Endlich ein bezahlbares Ladegerät für Elektroautos, mit dem echtes PV-Überschussladen realisiert werden kann - und das sich auch noch mit dem Heimspeicher verträgt? Kann das wahr sein? Ich war auf der Intersolar 2026 am Stand von Shelly und habe dort das mobile TopAC powered by Shelly Ladegerät* entdeckt (Rabattcode für alle Shelly-Produkte: PVE-10OFF).
16A CEE rot Anschluss, dreiphasig, 5m Kabel mit Typ2-Stecker. Formfaktor gewöhnungsbedürftig, aber egal.

Soweit, so gewöhnlich, das kann mein super-günstiges Ladegerät von dé* auch, noch dazu für einen unschlagbaren Preis (Rabattcode PVE für 10 EUR Rabatt, manchmal bei Amazon* günstiger).
Das Spannende am TopAC: dank des integrierten Shelly X Chips kann es in die Shelly App integriert werden. Das bedeutet drei Dinge: einfache manuelle Bedienung über die Shelly App, Steuerung über ein Shelly Skript möglich und Weiterverarbeitung der Daten in einem Heimautomationssystem, wie bspw. Home Assistant. Schauen wir uns das mal genauer an!
Manuelle Bedienung über die Shelly App

Die Einbindung in die Shelly App geschieht wie mit anderen Shelly-Produkten auch. Sobald der TopAC mit Strom versorgt wird und man in seiner Nähe die Shelly App öffnet, findet die App ein neues Gerät und in Windeseile ist das neue Ladegerät Teil der Shelly Familie.
Von nun an kann die Ladeleistung des e-Autos bei aktivem Ladevorgang in der Shelly App verändert werden. Von 6 bis 16 A.

Exkurs: Einphasiger oder dreiphasiger Betrieb
Leider kann die mobile Wallbox im laufenden Betrieb keine Phasenumschaltung. Aber ihr könnt das Gerät entweder einphasig oder dreiphasig anschließen, um dauerhaft entweder nur auf einer Phase (6A=1,4kW bis 16A=3,7kW) oder auf allen drei Phasen (6A=4,2kW bis 16A=11kW) zu laden. Ein einphasiger Anschluss ist dann interessant, wenn ihr PV-Überchussladen machen wollt und keine ganz so große PV-Anlage auf dem Dach habt. Nach meiner Erfahrung solltet ihr unter 10kWp auf dem Dach gar nicht darüber nachdenken, ein dreiphasiges Überschussladen zu realisieren, zwischen 10 und 20kWp kann man je nach Hausverbrauch und Speicherkapazität über ein dreiphasiges Laden nachdenken, über 20kWp ist dann ein dreiphasiger Anschluss empfehlenswert. Ich habe bei mir im Haushalt knapp unter 10kWp installiert - aber dank Hausverbrauch und 10kWh Heimspeicher ist nur sehr selten mal für längere Zeit (>1h) 4,2kW überschüssige PV-Leistung zur Verfügung, mit der ein e-Auto geladen werden könnte. Dreiphasig geht bei mir also gar nicht.
Profi-Tipp: um euch regelmäßiges Umstecken oder Umschalten zu ersparen, könnt ihr an einem dreiphasigen Anschluss in der Garage auch gleichzeitig eine dreiphasige Wallbox und ein einphasiges Ladegerät anschließen. Wie ihr das ganz einfach installieren könnt, habe ich bereits vor vielen Jahren in diesem YouTube-Video gezeigt.
Ihr braucht die volle Leistung von 11kW im Winter oder wenn mal schnell ein paar kWh in den Akku müssen? Dann greift ihr zur dreiphasig angeschlossenen Wallbox. Im Sommer oder der Übergangszeit wollt ihr im Regelfall PV-Überschüsse laden? Dann nehmt ihr das einphasig angeschlossene Ladegerät. Natürlich könnt ihr dafür zwei TopAC powered by Shelly* nutzen - weil das 11kW Ladegerät aber immer mit maximaler Leistung laufen soll, muss das gar nicht intelligent sein und ihr könnt zum Preisbrecher von dé* greifen, den ich auch schon seit über einem Jahr im Einsatz habe. Das zweite Ladegerät, das ihr einphasig für die PV-Überschussladung anschließt, sollte dann ein TopAC powered by Shelly* sein, damit ihr die volle Kontrolle über die Ladeleistung habt - und eure Ladung sogar automatisieren könnt, wie wir jetzt sehen werden:
Steuerung mittels Shelly Skript
Manuelle Anpassung der Ladeleistung ist euch nicht genug? Mir auch nicht. Deshalb habe ich lange probiert, programmiert und recherchiert. Herausgekommen ist ein Shelly Skript, mit dem ich die Ladeleistung des TopAC aus der Shelly App heraus automatisiert an den aktuellen PV-Überchuss anpassen kann. Mein Shelly Skript stelle ich euch hier zum freien Download, Verwendung und Weiterentwicklung zur Verfügung. Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen.
Das Shelly Skript läuft auf dem Shelly Pro 3EM und steuert den TopAC powered by Shelly in seiner Ladeleistung (genauer gesagt setzt es den Ladestrom in 1A Schritten zwischen 6A und 16A in Abhängigkeit von der aktuellen am Shelly Pro 3EM gemessenen Leistung).
Das Shelly Skript läuft bei mir - aber nicht so stabil, wie ich es mir wünsche. Deshalb habe ich den nächsten Schritt gewagt und alles in Home Assistant eingebunden - in der Hoffnung, hier noch einfacher und komfortabler eine Automatisierung realisieren zu können.
Integration in Home Assistant
An Home Assistant habe ich mich lange nicht herangetraut. Raspberry Pi, Programmierung, alles Dinge, die ich mit großem Respekt - aber mit Abstand - betrachtet habe. Seit einiger Zeit gibt es aber das Rundum-sorglos-Komplettpaket von Home Assistant: Home Assistant Green*(manchmal hier bei ebay* günstiger).

Das müsste eher "Home Assistant for Greenhorns and Rookies" heißen, aber sei es drum. Das tolle daran: ihr müsst keinen Plan von gar nichts haben. So wie ich. Auspacken, an ein LAN-Kabel in eurem Heimnetzwerk anschließen, fertig. Ab sofort könnt ihr eure Smarthome-Geräte zentral steuern - und zwar lokal, also ohne Cloud und ohne, dass eure Daten in den unendlichen Weiten des Internets von irgendwem gelesen werden. Den letzten Schubs in Richtung Home Assistant hat mir übrigens der Trucki gegeben. Ihr wisst schon, der mit dem Trucki-Stick, mit dem man aus seinen DIY-Akkus und einem Lumentree-Wechselrichter eine Nulleinspeisung realisieren kann. Kennt ihr nicht? Na dann wird es Zeit, sich mal meine Videos zu dem Thema anzuschauen. Das Hauptvideo dazu findet ihr hier (ist allerings schon ein paar Jahre alt...):
Der Trucki meinte zu mir auf der Intersolar Messe in München, dass die Einrichtung von Home Assistant super einfach sei (ja, kann ich bestätigen, insbesondere mit dem Green) und dass man innerhalb von einer Stunde seine Automationen gebaut hat. Naja, das kann ich nur eingeschränkt bestätigen. Einfache Automationen schon (Schalte X ein, wenn Y passiert), komplexe Automationen, wie sie mir vorschweben (Lade mein Auto mit einem Ladestrom in Abhängigkeit der Überschuss-PV-Leistung, aber nicht wenn der Speicher gerade lädt) dauert dann doch deutlich länger in der Entwicklung...
Meinen ersten Gehversuch in Home Assistant habe ich gemeinsam mit ChatGPT unternommen. Immerhin ist dabei ein Skript zum Überschussladen herausgekommen, das aber leider nicht funktioniert. ChatGPT behauptet aber felsenfest, dass es funktionieren müsse und driftet nach mehrmaligen Verbesserungsrunden nun leider ab. Ihr könnt euch das Skript für Home Assistant gerne mal anschauen, vielleicht könnt ihr ja erkennen, warum es nicht funktioniert. Ich verlinke es hier.
EVCC kann alles - hat aber einen Preis
Meine Rettung kam in Gestalt eines Kommentars unter einem meiner YouTube-Videos. Auf meinem Zweitkanal PV&E E-Mobil hatte ich jüngst ein paar YouTube Shorts veröffentlicht und darin meine ersten Ladeversuche mit dem TopAC powered by Shelly dokumentiert. Ein Zuschauer meinte, ich solle das doch mal in EVCC integrieren. Gesagt, getan. Ich habe mir EVCC als Integration für Home Assistant heruntergeladen und installiert. Dann noch die entsprechenden Geräte (Shelly Pro 3EM, TopAC, mein e-Golf) samt ihrer IP-Adresse im Modul zum PV-Überschussladen hinterlegt und schon konnte es los gehen. Wäre da nicht der Speicher, der nicht in Home Assistant integriert ist und gegen den natürlich erstmal geregelt wurde. Nach einigem Suchen habe ich dann auch die Einstellung gefunden, mit der ich die Zieleinspeisung verändern kann (um nicht mit dem Speicher ins Gehege zu kommen) und die Abtastfrequenz zu erhöhen. Hier auf den Screenshots gut zu erkennen:

Was soll ich sagen? Die ersten Tests bei wechselnd bewölktem Wetter liefen gut. Leider nur gut und nicht sehr gut, weil mein WLan mir mal wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Tja, eine PV-Überschusssteuerung setzt eben eine stabile Netzwerkverbindung voraus. Leider versagt das "Super WLan" von Vodafone bei mir regelmäßig. Die Mesh-Repeater sind einfach riesengroße Grütze. Das nur nebenbei. Deshalb baue ich mir gerade mein eigenes Mesh-WLan im ganzen Haus und Carport mit ordentlicher Technik neu auf. Die ersten Gehversuche mit meinem neuen Fritz!Mesh Set 1700* sind ganz vielversprechend.

Das Einzige, was mir an der EVCC-Integration für Home Assistant nicht gefällt, ist die Notwendigkeit, für eine dauerhafte Nutzung einen Token zu erwerben. Früher waren GitHub-Projekte gratis und von echten Enthusiasten getrieben. Wie bei Wikipedia auch trug sich das ganze mit freiwilligen Spenden. Die EVCC-Nutzung bedarf allerdings nun eines Tokens, der entweder 4 EUR im Monat kostet oder 150 EUR einmalig. Finde ich deutlich zu viel, denn am Ende ist die Programmierung hinter EVCC ziemlich einfach und ich habe es "fast" selbst geschafft mit Hilfe von ChatGPT ein vergleichbares Skript zu schreiben. Aber die 150 EUR sind dann eben der Unterschied zwischen "fast" und "geschafft" ;-) Für alle diejenigen, die es günstiger haben wollen empfiehlt sich zunächst einmal mein völlig kostenloses Shelly Skript, das lokal auf dem Shelly Pro 3EM läuft - oder der Test von EVCC mit einem sieben Tage gültigen Testtoken (erhältlich in der EVCC App).
Wenn ihr mir für meine weiteren Tests und Weiterentwicklungen einen Kaffee spendieren wollt, dann könnt ihr das gerne über PayPal machen. pvande2022@yahoo.com ist meine PayPal-Adresse, unter der ich gerne Spenden entgegennehme.
--------------------------------------------------
*Die mit einem Sternchen versehenen Links sind Affiliate-Links. Ich erhalte eine Provision, wenn ihr über diesen Link etwas bestellt.


