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Sunshare Glory - mit semi-solid Akku

  • Autorenbild: Tobias Volk
    Tobias Volk
  • 20. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

SunShare hat andere Module und andere Speicher im Angebot. Aber ist anders auch besser? Das schauen wir uns Schritt für Schritt hier gemeinsam im Video an:

Technische Daten

Wir schauen uns zunächst mal die technischen Daten an, damit ihr einschätzen könnt, worüber wir überhaupt reden. Der neue Sunshare Glory Speicher kommt mit einer Kopfeinheit und Speicherbausteinen mit einer Kapazität von 2kWh. Erweitern lässt er sich auf bis zu 10kWh, indem bis zu fünf solcher Speicherbausteine gestapelt werden. Das Plug-and-Play-System kann über PV-Strom direkt aus den PV-Modulen geladen werden oder aus eurem Hausnetz. Die maximale PV-Eingangsleistung liegt bei 2400W, die Eingangsleistung aus dem Hausnetz bei 1200W. Oder ihr schließt einen Mikrowechselrichter an den Notstromanschluss des Glory-Kopfspeichers an, dann könnt ihr nochmal 800W PV-Leistung verarbeiten. Zusammen mit den nativ angeschlossenen 2400W ergeben das bis zu 3200W Leistung, die ihr von Solarmodulen beziehen könnt. Nicht schlecht, für ein so kompaktes und leichtes System. Das unterscheidet Sunshare nämlich von vielen Mitbewerbern: hier wird Wert auf Handhabbarkeit gelegt. Ein Speicherblock wiegt gerade mal 18 kg, die hauseigenen PV-Module sind ungefähr halb so groß wie die klassischen Module vom Massenmarkt und lassen sich sehr einfach transportieren und sogar von einer Person installieren. Pro Modul sind dann zwar nur 200Wp möglich, aber der Glory-Speicher erlaubt auch bis zu 12 solcher Module anzuschließen. Was mir gut gefällt, aber auch gewisse Nachteile mit sich bringt, ist das super sichere Verbindungssystem der hauseigenen PV-Module. Das System ist deutlich besser und sicherer als die uns allen bekannten MC4-Steckverbinder – aber leider auch nicht kompatibel. Wollt ihr andere PV-Module anschließen, als die von Sunshare, sind Adapterkabel nötig. Die gibt es zwar, kosten aber Extra.

Wie schon erwähnt kann der Speicher bis zu 1200W aus dem Hausnetz beziehen. Das macht Sinn, wenn bereits eine große PV-Anlage auf dem Dach installiert ist und im Sommerhalbjahr prächtige Überschüsse entstehen, die für die Nacht eingespeichert werden sollen. Bei mir konnte ich die Überschüsse nur manuell speichern. Entweder durch eine vorprogrammierte Logik oder im sogenannten Boost-Modus. Der kann mit einem Klick in der App aktiviert werden und dann lädt der Speicher mit voller Ladeleistung aus dem Netz. Eine intelligente Überschussladung ist derzeit leider nur mit dem hauseigenen SmartMeter möglich. Das ist schade, denn gerade in Europa hat sich Shelly mit seinem 3EM und Pro3EM bereits einen festen Platz in den Zählerschränken erobert. Da wäre es schön, wenn Sunshare eine Anbindung erlauben würde. Alternativ wäre natürlich gerade für Mieterhaushalte das Angebot eines IR-Lesekopf zum Auslesen der modernen Messeinrichtung begrüßenswert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, letztlich ist es nur eine Softwareintegration, die da noch fehlt.

In das Hausnetz einspeisen könnt ihr mit dem Sunshare Glory auch nach fest programmierter Logik, oder halbautomatisch mittels hauseigener Smartplugs – oder ganz elegant vollautomatisch, das dann aber wieder nur mit dem hauseigenen Smartmeter. 800W Einspeiseleistung sind möglich, um normkonform in Deutschland einzuspeisen.

Wie heutzutage üblich finden wir auch beim Sunshare Glory eine Notstromsteckdose. Diese kann 1200W ausgeben.

Sunshare wirbt mit der Semi-Solid-State-Battery in Automotive Qualität. Aber was bedeutet das denn genau? In klassischen Akkus auf Lithium-Basis ist das Elektrolyt flüssig. Elektrolyt ist dabei die Transportschicht zwischen dem Plus- und dem Minuspol der Batteriezelle. Flüssiges Elektrolyt kennt ihr bestimmt. Ihr habt bestimmt schonmal eine AA oder AAA-Batterie in der Hand gehabt, die entweder ausgelaufen ist oder so komische Kristalle an den Polen gebildet hat: ausgetretenes Elektrolyt. Sowas kann auch bei Speicherakkus passieren – allerdings nicht bei Semi-Solid-State Batterien, denn dort ist das Elektrolyt gelförmig. Nach Angabe von Sunshare wird im Glory Speicher Polyvinylidenfluorid als Gel-Matrix verwendet, das bis 60 Grad gelstabil ist.


Messwerte

Jetzt kommen wir aber zu den Messwerten. Ich habe mit einem Speicherblock getestet, also standen 2,035kWh zur Verfügung. Ich habe mehrmals von 10% auf 100% über den Netzanschluss vollgeladen, immer im Boost-Modus, also mit maximaler Leistung von 1200W. Die hat er auch von Anfang bis kurz vor Ladeschluss gehalten – was bei der Konkurrenz nicht immer der Fall ist. Insofern scheint der Glory ein zuverlässiger Speicher zu sein. Rein gingen immer 2kWh. Bei einem Ladehub von 10 auf 100% macht das einen Ladewirkungsgrad von 92%. Das ist Spitze und nur ganz knapp an einem neuen Rekord in dieser Disziplin vorbeigeschrammt. Die jeweils folgenden Entladetests haben dann aber deutlich gezeigt, wo der Speicher noch Verbesserungspotenzial hat: bei der Einspeiseeffizienz nämlich. Hier schwankte die Effizienz zwischen 81 und 82% bei einer Entladung von 100% auf 10% mit konstant 150W. Das ist kein überragendes Ergebnis und liegt vermutlich auch am relativ hohen Standbyverbrauch des Systems. Mit 12,2W genehmigt sich der Speicher nämlich über einen Tag verteilt knapp 300Wh an Strom. Bei einer geringen Einspeiseleistung von 150W macht sich sowas natürlich stark bei der Effizienz bemerkbar. Die 12W Standby gelten auch nur, wenn der Speicher mit dem Hausstromsetz verbunden ist. Fehlt die Verbindung, dann genehmigt sich der Glory sogar 23W – diesmal aus dem Akku. Deshalb ganz wichtig: solltet ihr den Speicher mal nicht benötigen, dann unbedingt an das Ausschalten denken. Sonst ist er nach zwei Tagen komplett leer – ohne dass ihr was verbraucht hättet.

92% Ladewirkungsgrad und 81% Entladewirkungsgrad kamen mir aber komisch vor und ich vermutete, dass hier vielleicht nicht die gesamte Speicherkapazität freigegeben wurde und deshalb verzerrte Messwerte herausgekommen sind. Mein folgender Test der Notstromsteckdose zeigte aber ganz klar, dass die gemessenen Effizienzen real sind und nicht auf Systempuffer zurückzuführen sind.

Herausgekommen sind am Ende 1,7kWh. Bei einem Entladehub von 100 auf 10% macht das einen offgrid-Wirkungsgrad bei großer Last von knapp 1kW von 93%. Auch wieder ganz knapp vorbei am Rekord. Aber in der Kombination hat es der Sunshare Glory dann geschafft: off-grid-Effizienz von 85%. Goldmedaille unter allen von mir bisher getesteten Speichern. Mit 92% Wirkungsgrad am Netz geladen und mit 93% wieder off-grid entladen. Beste Kombination aller Zeiten. Glückwunsch, Sunshare.

Leider schafft Sunshare es bei der on-grid-Effizienz nicht aufs Siegertreppchen. Hier bleiben am Ende magere 75% round-trip-Wirkungsgrad, was ausschließlich an der verbesserungsbedürftigen Einspeiseeffizienz liegt.


Soft facts

Für einige von euch geht es aber nicht nur um harte Fakten. Deshalb bewerte ich in meinen Tests auch weitere Kriterien, die ich als sogenannte „soft facts“ bezeichne. Beim Sunshare Glory fällt in dieser Kategorie etwas auf, das ich sonst gar nicht bewerte: Sicherheit. Hier glänzt das System in ganz vielen Disziplinen. Zu Beginn habe ich euch schon von den proprietären Steckverbindern berichtet. Die sind super sicher und ein großes Plus im Vergleich zu herkömmlichen MC4-Steckverbindern. Das Glory-Kopfelement, das den Wechselrichter und Gleichrichter enthält und damit im laufenden Betrieb ziemlich heiß werden kann, ist durch eine gesonderte, fest montierte Kunststoffabdeckung geschätzt. Ihr kommt also nie mit heißen Teilen in Berührung. Das ist einzigartig, sowas kenne ich von anderen Herstellern nicht. Und zu Guter Letzt noch die Zellchemie. Mit dem semi-solid Elektrolyt ist auch hier nochmal eine höhere Sicherheit als bei herkömmlichen flüssigen Elektrolyten in den Akkus gegeben. In Summe ein wirklich beachtlicher Aufwand, den Sunshare hier betreibt, um das Gesamtsystem so sicher wie in 2026 möglich zu machen.

Die weiteren Kriterien im Bereich der soft facts seht ihr hier abgebildet. Bei der Lautstärke kann das passiv gekühlte System glänzen. Totale Ruhe im Betrieb. Die Software ist zwar einfach gestrickt, aber stabil. Was man leider von der Akku-Kalibrierung nicht sagen kann. Gerade bei kleinen Lasten oder im Standby verliert die Software schonmal den Überblick über den aktuellen Ladestand und so hatte ich mehrmals den Fall, dass ich deutlich weniger nachladen musste, um auf 100% voll zu laden, als es der angezeigte Batterieladezustand vermuten ließ. Das Umschalten zwischen Notstrom und Netzbezug passiert mit einem sehr gut hörbaren Schalten eines Relais. Die Umschaltung zwischen Netzbezug und Lieferung an das Netz geschieht deutlich leiser. Insgesamt bewerte ich die Schaltvorgänge deshalb mit einer mittleren Bewertung, also neutral. Die Schnelligkeit der Einspeisung auf Laständerungen konnte ich nicht testen, weil ich das Sunshare-eigene Smartmeter nicht zur Verfügung hatte.


Warum sollte man den neuen Sunshare Glory Speicher mit dem 2kWh semi-solid Speicher kaufen?


Warum sollte man den Speicher nicht kaufen?

Am Ende müsst ihr entscheiden, welche der genannten Kriterien für euch am Wichtigsten sind. Manche der Negativpunkte lassen sich durch Softwareupdates oder die zukünftige Einbindung von Shelly, EcoTracker oder Bitshake-Produkten beheben, andere nicht. 

 
 
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