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V2L und V2H an jedem Elektroauto – auch ohne offiziellen V2L-Anschluss

  • Autorenbild: Tobias Volk
    Tobias Volk
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
V2H ohne V2L/V2H-Anschluss: So versorge ich mein Haus mit einem VW e-Golf

Vehicle-to-Load (V2L) und Vehicle-to-Home (V2H) gilt für viele als eines der spannendsten Features moderner Elektroautos. Schließlich lassen sich damit elektrische Geräte oder sogar das gesamte Haus direkt aus dem Fahrzeug versorgen.

Doch was viele nicht wissen:

Auch Elektroautos ohne offiziellen V2L/V2H-Anschluss können Strom liefern.

Genau das habe ich mit meinem VW e-Golf ausprobiert.

In diesem Beitrag zeige ich, wie ich über die 12-Volt-Batterie meines Elektroautos rund 1.000 Watt Leistung dauerhaft bereitstellen kann, welche Technik dafür notwendig ist und welche Grenzen dieses Verfahren hat.

Warum funktioniert das überhaupt?

Viele Elektroautos besitzen keinen V2L-Anschluss.

Der VW e-Golf gehört ebenfalls dazu.

Trotzdem besitzt jedes Elektroauto eine ganz normale 12-Volt-Bordnetzbatterie.

Sobald das Fahrzeug fahrbereit ist, übernimmt der DC/DC-Wandler die Versorgung des 12-Volt-Systems.

Dabei wird die Starterbatterie kontinuierlich aus dem Hochvolt-Akku nachgeladen.

Beim e-Golf stehen dabei bis zu etwa 100 Ampere zur Verfügung.

Das entspricht ungefähr:

1.200 Watt Leistung

Davon lassen sich rund 1.000 Watt dauerhaft nutzen, ohne den DC/DC-Wandler dauerhaft an seine Grenzen zu bringen.


Welche Komponenten werden benötigt?

Der Aufbau ist überraschend einfach.

Benötigt werden:

  • Sinuswechselrichter (12 V auf 230 V)

  • ausreichend dimensionierte Kabel

  • Anschluss an Plus- und Minuspol

  • Als perfekte Ergänzung: Vorladewiderstand oder Vorladelampe

Gerade der letzte Punkt wird häufig vergessen - und dann gibt es eine schöne Lichtershow mit Schrecksekunde beim Anschluss des Wechselrichters.


Anschluss an die 12V-Bordnetzbatterie

In den meisten Fällen wird der direkte Anschluss an die Bordnetzbatterie nicht möglich sein. Die offenen Schraubanschlüsse an eurer Batterie sind üblicherweise zu kurz, um die massiven Kabel und eine Mutter aufnehmen zu können. Ihr benötigt noch lange Muttern aus dem Baumarkt und passende Schrauben, um die Verkabelung zum Sinuns-Wechselrichter fest mit der 12V-Batterie verschrauben zu können.


Warum sollte der Wechselrichter vorgeladen werden?

Ein Sinuswechselrichter besitzt große Kondensatoren.

Wer ihn direkt an die Batterie anschließt, kennt meist den kräftigen Funken beim Anklemmen.



Ich vermeide das mit einer kleinen Lampe.

Diese lädt die Kondensatoren langsam vor.

Erst danach verbinde ich den Wechselrichter vollständig mit der Batterie.

Das schont Steckverbindungen und Kontakte erheblich.

Vor einigen Jahren habe ich das mal ausführlich in meinem Video zu Wechselrichtern gezeigt, ihr findet es hier auf YouTube.


Wie viel Leistung ist möglich?

In meinem Versuchsaufbau kam ein 1.000-Watt-Sinuswechselrichter zum Einsatz. Damit lassen sich mittelgroße Lasten direkt versorgen. Beispielsweise ein Split-Klimagerät, mit dem man im Sommer sein Haus kühlen und im Winter heizen kann. Da bekommt V2L gleich eine ganz andere Bedeutung. Oder ihr geht noch einen Schritt weiter und macht es, wie ich es im Video zeige: V2H, die Königsdisziplin. Einspeisung in das Hausnetz. In meinem Test wollte ich wissen: kann ich mit einem Bluetti Balco TransferHub* (Rabattcode PV&E10 für 10% Rabatt) aus dem e-Golf Strom in mein Haunsetz einspeisen?

Die Kurzfassung: Ja.

Genau das war der eigentliche Hintergrund meines Tests.

Der Balco Transfer Hub akzeptierte den Strom aus dem Wechselrichter problemlos.

Dadurch konnte Energie aus dem Hochvolt-Akku des Elektroautos über den Umweg der 12V-Bordbatterie in mein Hausnetz eingespeist werden.

Das zeigt eindrucksvoll:

Für diese Anwendung ist kein offizieller V2L-Anschluss erforderlich.

Ein sauberer Sinuswechselrichter genügt.

Das ausführliche Testvideo zum Bluetti Balco TransferHub findet ihr hier verlinkt auf YouTube.


Kann man damit Notstrom erzeugen?

Hier muss ganz klar unterschieden werden.

Einspeisung bei vorhandenem Netz

Diese funktionierte im Test problemlos.

Der Balco Transfer Hub erkennt das vorhandene Stromnetz und speist Energie ein.

Echter Notstrom

Hier reicht der Aufbau nicht aus.

Für einen sicheren Inselbetrieb wären zusätzlich erforderlich:

  • Netztrennschalter (geeignete Umschalteinrichtung)

  • Inselwechselrichter

  • Einspeisesteckdose

Erst dann kann ein Haus vollständig vom öffentlichen Netz getrennt und sicher weiter versorgt werden.

Auch das ist aber kein Hexenwerk, bedarf aber eines Elektrikers, um keinen Schaden an der Hausinstallation, dem Auto oder dem Wechselrichter zu verursachen. Ich bin gerade dabei, so eine Installation vorzubereiten und werde auf meinem YouTube-Kanal PV&E darüber berichten, was dabei alles zu beachten ist. Schaut gerne dort vorbei und lasst ein Abo da, wenn euch sowas interessiert.


Vorteile V2L und V2H

✅ funktioniert mit jedem Elektroauto

✅ keine spezielle Fahrzeugsoftware erforderlich

✅ flexibel einsetzbar

✅ auch für Camping interessant

Nachteile

❌ zusätzlicher Sinuswechselrichter notwendig

❌ Verluste durch mehrfache Spannungswandlung

❌ kein offizielles Fahrzeugfeature

❌ keine Notstromlösung ohne weitere Anpassungen an der Hausinstallation

Mein Fazit

Mein Test zeigt, dass ein fehlender V2L-Anschluss längst kein Ausschlusskriterium mehr sein muss.

Solange das Fahrzeug einen ausreichend leistungsfähigen DC/DC-Wandler besitzt, lässt sich über einen hochwertigen Sinuswechselrichter problemlos Energie aus dem Hochvolt-Akku entnehmen.

Für Anwendungen wie das Laden von Powerstations, die Versorgung einzelner Verbraucher oder die Kombination mit einem System wie dem Bluetti Balco Transfer Hub eröffnet das interessante Möglichkeiten.

Eine vollwertige Notstromversorgung ersetzt dieser Aufbau allerdings nicht. Dafür sind zusätzliche Schutz- und Umschalteinrichtungen erforderlich.


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V2L und V2H ohne V2L

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