Indevolt: der Geheimtipp?
- Tobias Volk
- 14. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Ist der Indevolt SolidFlex 2000* (Rabattcode PVE5 für 5% Rabatt) ein echter Geheimtipp? Noch dazu von einer deutschen Firma. Oder ist er wieder nur einer der vielen Speicher von der Stange, die zwar einen eigenen Namen tragen aber in Wirklichkeit nur schlechte Kopien von besseren Speichern sind? Ich gebe dem Speicher eine Chance und teste ihn für euch: Wieviel vom PV-Strom wird wirklich eingespeichert und wieviel geht auf dem Weg verloren? Kann er dauerhaft und bis zum 100% Ladestand die 2400W aus dem Hausnetz beziehen? Wie schnell reagiert der Speicher auf Laständerungen? Ihr wollt Antworten auf diese Fragen? Ich auch. Hier im YouTube-Video gibt es alles im Detail - oder hier im Blogbeitrag nochmal die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zum Nachlesen.
Heute nehme ich mir mal einen Speicher vor, der im Massenmarkt noch keine ganz große Nummer ist: Indevolt. Das macht ihn für mich besonders interessant, denn der Indevolt SolidFlex 2000* hat bereits ein anderes Design als die Konkurrenz von Anker, EcoFlow oder Zenure. Schon beim Auspacken und Aufstellen fällt mir auf: da hat jemand aber mitgedacht. Die einzelnen Speicherbausteine haben einen ganz anderen Formfaktor als die der Konkurrenz und lassen sich dadurch wesentlich leichter transportieren und aufbauen. Auch beim Stapeln der einzelnen Speicherblöcke fällt mir auf, dass die Verbindung zweier Blöcke mit ineinandergreifenden Ösen geschieht, die nur noch eine Verbindungsschraube benötigen - keine separaten Winkel, wie das bei zahlreichen anderen Herstellern der Fall ist.
Nach der Inbetriebnahme gab es aber den ersten Dämpfer für mich: die Software verlangt ein Update. Soweit nicht ungewöhnlich. Aber die veranschlagte Zeit für das Update mit 43 Minuten überraschte mich dann schon. Und das lag leider nicht an einer schlechten Internetverbindung, sondern das Gerät brauchte tatsächlich so lange, um das Update intern zu installieren. Damit haben wir schon den ersten Punkt, wo definitiv noch Luft nach Oben ist: auch die Folgeupdates dauerten viel zu lange, da muss nochmal nachgearbeitet werden.
Bevor wir in die Messergebnisse einsteigen, gebe ich euch zunächst mal einen Überblick über die technischen Daten meines getesteten Systems:

Vier MPPTs mit jeweils 600W Eingangsleistung lassen insgesamt 2400W PV-Leistung zu. Ja, ich weiß, anderer Hersteller erlauben hier bis zu 3000W, an manchen Neuprodukten im Jahr 2026 sind sogar bis zu 4000W Eingangsleistung möglich. Aber wir sprechen hier über ein Plug-and-Play Balkonkraftwerk oder zumindest Balkonkraftwerk-ähnliches Gerät. Ich bezweifle stark, dass die Mehrheit der Kunden solche massiven PV-Leistungen an die Systeme anschließen wird. In solchen Fällen macht nämlich eine klassische PV-Anlage mit Hybridwechselrichter viel mehr Sinn.
Die PV-Anschlüsse vertragen ganz klassisch wie bei fast allen Herstellern 60V. Um die volle Leistung anzuschließen empfiehlt sich folglich der Griff zu den großen Modulen mit mehr als 50V PV-Spannung. Wenn die Anlage voll mit PV-Modulen bestückt wird, dann sind auch Zusatzspeicher notwendig. Mindestens zwei Zusatzspeicherblöcke sollten es dann erfahrungsgemäß sein, um die massiven PV-Überschüsse im Sommerhalbjahr auch nutzen zu können. Vorteil mit zwei zusätzlichen Speicherblöcken: damit steht euch die volle Leistung des Indevolt SolidFlex 2000*-Systems in allen Einsatzszenarien zur Verfügung. Bypassversorgung angeschlossener Geräte mit bis zu 3600W, Notstrombetrieb bis zu 2400W. Da könnt ihr bei Stromausfall sogar noch die 60-Grad Wäsche erledigen. Was mir sehr gut gefällt: die Internetseite von Indevolt ist sehr transparent, wenn es um die Lade- und Entladeleistungen mit unterschiedlicher Anzahl von Speicherblöcken geht. Hier könnt ihr sehr gut nachvollziehen, welche Leistungen mit wie vielen Bausteinen möglich sind. Ich durfte das System in voller Ausbaustufe testen, mir standen also 2400W Ladeleistung zur Verfügung – aber nur 800W Einspeiseleistung. Damit sind wir schon bei den AC-Leistungsdaten. 2400W können also aus dem Hausnetz geladen oder in das Hausnetz entladen werden. Aber nur, wenn ihr den Speicher von einem Elektroinstallateur einrichten lasst. Der benötigt nämlich einen Freischaltcode, um die 2400W Einspeiseleistung auch freizuschalten. Ansonsten stehen euch, so wie bei mir, nur die klassischen 800W zur Verfügung. Richtig Spaß macht die Einspeisung, wenn das Ganze bedarfsgerecht geschieht - und dazu braucht ihr ein SmartMeter. Glücklicherweise ist Indevolt kompatibel mit Shelly und auch EcoTracker

Messwerte
Bevor ich mit meinen Messungen zur Effizienz beginne, schaue ich mir den Standbyverbrauch eines Gerätes an. Hier beim Indevolt Speicher gibt es zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten in der App, die den Standbyverbrauch beeinflussen. Es gibt einen Bypass Socket (für den Notstrombetrieb), den ich für den Test deaktiviert habe. Außerdem einen tiefen Standby-Modus, den ich ganztags aktiviert habe, um alle unnötigen Geräte-internen Verbräuche zu vermeiden. Auch den Lichtstreifen am Gerät habe ich ausgeschaltet. Trotzdem genehmigt sich der Speicher immer noch knapp 18 W Dauerlast. 161 Wh gingen bei mir in der Zeit von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens verloren. Wenn ihr damit eure Wohnung heizen wollt, dann ist das in Ordnung, ansonsten sind das echte Verluste, die einfach so verpuffen. Hier bin ich nicht ganz zufrieden. Für einen Speicher der 2400er Klasse ist das zwar im Mittelfeld der Wettbewerber – aber hier sollte noch weiter optimiert werden.
Mit einem solchen Standbyverbrauch zeichnet sich schon ab, dass gerade bei kleinen Lasten keine Bestwerte bei der Effizienz erzielt werden können. Und das bestätigt sich auch in den Zahlen. 82% lautet das Ergebnis meiner Messung der Einspeiseeffizienz bei 200W Konstanteinspeisung. 200W ist die typische Grundlast eines 4-Personenhaushaltes und damit ein Anwendungsfall, auf den ein Speicher ausgelegt sein sollte. Zusammen mit der ebenfalls nur mäßigen Ladeeffizienz beim Laden aus der Steckdose mit 2000W von 83% ergibt das einen Round-trip-Wirkungsgrad von 68%. Im Langzeitbetrieb, bei dem der Speicher Überschüsse aus meinem Hausnetz geladen hat und Strombedarf im Hausnetz ausgeglichen hat, lag der Wert bei mir zwar etwas besser, nämlich bei 74%. Aber da brauchen wir nicht drumherum zu reden, das reicht im Quervergleich mit anderen Speichern nicht für eine Platzierung auf dem Siegertreppchen.

Der große Unterschied zwischen meiner Messung der Roundtrip-Effizienz unter Laborbedingungen und meinen deutlich besseren Werten im Realbetrieb hat mir keine Ruhe gelassen und deshalb habe ich diesmal eine zusätzliche Messreihe angefertigt. Diesmal habe ich versucht, den Speicher am Wirkungsgrad-Optimum zu betreiben und damit die maximal mögliche Effizienz zu bestimmen. Ich habe bei diesem Test nur einen Erweiterungsspeicher verwendet und ihn mit 2000W beladen, um danach mit 800W zu entladen. Resultat: Ladeeffizienz 81%, Entladeeffizienz beachtliche 93%, Round-trip Effizienz damit 75%. Das ist erstaunlich nah an den von mir im Langzeitbetrieb gemessenen 74% Round-trip Effizienz und zeigt mir, dass ich den Speicher in meinem Hausgebrauch doch häufiger am Optimum betreibe, als ich das gedacht hätte. Aber die Verluste beim Laden und Entladen bringen ein kleines Problem mit sich…

Hier geht also ziemlich viel als Abwärme verloren. Gerade bei hohen Lade- und Entladeleistungen merkt man das auch sehr deutlich – der Speicher wird an der Rückseite des Hauptelements nämlich sehr heiß. Sehr heiß meint hier wirklich SEHR heiß, wie meine Aufnahme mit der Wärmebildkamera zeigt. Auch wenn mein zweites Infrarot-Messgerät „nur“ Werte knapp unterhalb von 70 Grad Celsius angezeigt hat, liegen wir hier deutlich über dem Bereich, der für elektronische Komponenten eine Wohlfühlzone darstellt. Ich empfehle hier dringend, an den entsprechenden Stellen entweder eine aktive Kühlung anzubringen oder nachzurüsten – oder die Leistung des Gerätes zu drosseln, wenn im System solche Temperaturen gemessen werden. Derzeit hält der Speicher nämlich die 2000W Ladeleistung bis ganz kurz vor 100%, ebenso verhält es sich mit der Entladeleistung, die ich im off-grid-Modus auch bis 5% Restkapazität voll nutzen konnte.
Damit sind wir auch schon beim off-grid-Modus. Hier habe ich mal wieder mit großer Last den Speicher entladen. Diesmal wurde mit dem gespeicherten Strom mein Plug-in-Hybrid geladen. 1,9kW Dauerlast, bis zum Abschalten des Speichers bei 5% Ladestand. Hier gibt es mal einen Effizienzerfolg zu vermelden: 90% Entladeeffizienz. Das ist wirklich gut, auch im Quervergleich mit anderen Speichern liegt Indevolt damit in der Spitzengruppe. Zusammen mit der Ladeeffizienz von 83% ergibt das einen off-grid-Wirkungsgrad von 75%.
Mehr als 10 Tage in Folge musste der Speicher alles einspeisen, was er über die PV-Module gesammelt hat. Das Ergebnis: 70% sind im Hausnetz angekommen, bei überwiegend sonnigem Wetter im späten Mai. Das zeigt ein generelles Dilemma der gesamten 2400W-Speicherklasse: Wenn ihr diese Speicher sinnvoll und halbwegs effizient betreiben wollt, dann benötigt ihr hohe bis sehr hohe PV-Eingangsleistungen. Bei mir im Test sind nur 640Wp angeschlossen. Das ist definitiv zu wenig für einen effizienten Betrieb. Sinnvoll betrieben werden kann der Indevolt-Speicher nur mit deutlich über 1200Wp, besser sogar mit PV-Leistungen die nahe am Maximum der 2400W Eingangsleistung sind. Das bedeutet aber auf der anderen Seite, dass ihr mindestens zwei zusätzliche Speicherbausteine benötigt, um diese hohe Leistung aufnehmen und auch sinnvoll verarbeiten und speichern zu können. Habt ihr aber so viel angeschlossene PV-Leistung und so viel Speicher, dann braucht ihr auch regelmäßig hohe Ausgangsleistungen, um den Speicher auch wieder leer zu bekommen. Mit den standardmäßig verfügbaren 800W wird das schwierig, so dass ihr recht schnell bei den 2400W seid, die vom Elektriker freischaltbar sind. Die 2400W Ausgangsleistung braucht ihr aber wiederum nur, wenn ihr regelmäßig über längere Zeiten große Lasten im Haushalt betreibt. Einmal am Tag den Geschirrspüler anschalten reicht dafür nicht. Ein Elektroauto oder Plug-in-Hybriden mit Speicherunterstützung laden schon. Kurzum: ihr solltet euch vor dem Kauf eines so leistungsstarken Speichers darüber im Klaren sein, welchen Strombedarf ihr habt und welche größeren Lasten bei euch regelmäßig anfallen.
Fazit
Hier zeige ich euch die Hauptargumente, die für oder gegen den Kauf des Indevolt SolidFlex 2000* Speichers sprechen. Wenn ihr den Speicher kaufen möchtet, dann vergesst nicht den Rabattcode PVE5 für 5% Rabatt.



