Zweitakku herstellerunabhängig betreiben
- Tobias Volk
- 23. Feb.
- 5 Min. Lesezeit
Mit unterschiedlichen Speichern in das Hausnetz einspeisen – ohne Hochschaukeln oder Leersaugen? Dazu habe ich heute ein Video auf meinem YouTube-Kanal PV&E veröffentlicht.
Speicher für PV-Anlagen werden immer günstiger und einige von euch überlegen eine Speichererweiterung. Was aber, wenn die Speichererweiterung von einem anderen Hersteller ist, als der erste Speicher? Ich habe genau so ein System seit fast zwei Jahren im Einsatz und möchte euch zeigen, wie das geht. Ohne Hochschaukeln der Leistungen, ohne Leersaugen einzelner Speicher. Und vor Allem: ohne IT-Kenntnisse, denn ihr wollt ja euren Eigenstrom verbrauchen und keine Programmiersprache lernen.
Lösung 1: DIY Erweiterung
Funktioniert nur mit einem zweiten System, das programmierbar ist und damit die Trägheit beeinflusst werden kann. Bei meinem DIY-System auf Basis PowerQueen Akkus*, Lumentree Wechselrichter* und Trucki-to-Shelly Stick kann ich das in der Weboberfläche des Trucki-Stick einstellen. Keine Programmierkenntnisse erforderlich, alles in Auswahlmenüs.

Dort habe ich eingestellt, dass der Trucki-Stick die letzten 10 Messwerte mitteln soll und schon ist er träger als der Zendure Speicher. Das bedeutet in der Praxis, dass mein Hauptspeicher von Zendure normal regelt – weil er aber am Netzanschlusspunkt auf eine Null regelt, muss der Lumentree Wechselrichter nichts einspeisen. Erst, wenn mehr Leistung gefordert wird, als der Hauptspeicher liefern kann, kommt der Lumentree zum Einsatz, um Lastspitzen abzufedern. Oder nachts, wenn der Hauptspeicher leer ist.
Umgekehrt funktioniert das bei mir übrigens genauso. Auf der Speicherseite habe ich zusätzlich zu meinem genannten Zendure Speicher an meinem DIY-System ein Meanwell Ladegerät laufen. Das wird auch überschussgesteuert vom Trucki-2-Meanwell-Stick. Damit das Ladegerät aber nicht den ganzen Tag seine 7W Standbyverbauch sinnlos aus dem Hausnetz zieht, hängt es an einer schaltbaren Shelly Steckdose (Shelly Plug S*). Die wird erst eingeschaltet, wenn länger als 3Minuten mehr als 300W PV-Überschuss im Hausnetz anliegen. Wenn das der Fall ist, dann ist mein Hauptspeicher entweder voll oder die PV-Leistung ist so hoch, dass mein Hauptspeicher nicht so viel Eingangsleistung verarbeiten kann. In beiden Fällen soll nun mein Zweitspeicher, der DIY-Speicher mit Meanwell-Ladegerät den zusätzlichen Strom speichern. Bei mir ist die Programmierung noch etwas komplexer, weil sich das Ladegerät nur dann einschalten soll, wenn mehr als 300W Überschuss im Hausnetz für mehr als 3Min anliegen UND mein Temperatursensor am Akku eine Temperatur unter 30 Grad misst und der Wassersensor keinen Alarm schlägt. Denn ich will meinen DIY-Akku nicht starten, wenn er unter Wasser steht oder bereits heiß gelaufen ist. Mein eigens Sicherheitssystem also.
Alle Programmierschritte findet ihr hier:













Achso: Ausschalten nicht vergessen. Am Abend wird mein Ladegerät dann wieder ausgeschaltet. Jeden Tag 18:00 gibt es das Signal zum Ausschalten. Noch eleganter geht das natürlich mit einer Sonnenuntergangsbasierten Programmierung. Die hat Shelly aber mittlerweile in den Premium-Bereich verbannt und das ist es mir dann doch nicht wert. Mir reichen 18 Uhr im Winterhalbjahr und 21 Uhr im Sommerhalbjahr. Fertig.
Noch wichtig bei der Programmierung des Meanwell Ladegeräts: Auch das muss entsprechend träge eingestellt werden, damit es nicht gegen den Hauptspeicher regelt. Bei mir mit Target min: -70W, Target max: -30W und Average 10. Damit ist er träge genug, um nicht gegen den Hauptspeicher zu regeln und hat ein Zielwert, der ebenfalls von der Nulleinspeisung abweicht.
Lösung 2: Die Grundlast-Lösung
Die zweite Lösung ist ganz simpel. Ihr betreibt einen Speicher als euren Hauptspeicher und verbindet diesen mit eurem Smartmeter, um alle Lasten im Hausnetz auszugleichen. Dieser erste Speicher muss der bidirektionale Speicher sein, das heißt, er muss in das Hausnetz einspeisen können und aus dem Hausnetz laden können. Zusätzlich betreibt ihr einen zweiten Speicher, an dem weitere Solarmodule hängen. Beispielsweise von einem Balkonkraftwerk oder gerne auch ein bisschen größer. Von diesem zweiten Speicher lasst ihr nun Tag und Nacht eure Grundlast im Haus decken. Bei mir sind das mittlerweile 200 W, die ich Tag und Nacht immer im Haushalt benötige, um alle möglichen Standbyverbräuche, Heizung, Kühlschrank, Tiefkühler usw. mit Strom zu versorgen. In dem zweiten Speicher stellt man also genau diese 200W Grundlast als dauerhafte Zieleinspeisung ein. Fertig. Kein Überschießen, kein Gegenregeln. Der Zweitspeicher speist immer 200W ein, sofern der Speicher gefüllt oder PV-Leistung vorhanden ist. Den Rest übernimmt der Hauptspeicher bedarfsgerecht. Das Einzige, was euch im Sommer passieren wird: Der Zweitspeicher speist natürlich auch dann seine 200W ein, wenn die Sonne voll vom Himmel scheint und sowieso schon zu viel PV-Strom in eurem Hausnetz ist.
Lösung 3: Zwei Messpunkte
Ihr habt Großverbraucher im Haus, die regelmäßig über einen längeren Zeitraum viel Strom beziehen? Perfekt für eine halbintelligente Lösung mit einem Zweitspeicher. Und die geht so: Der Hauptspeicher wird wie gehabt mit eurem Smartmeter gekoppelt. Für den Zweitspeicher baut ihr euch am Großverbraucher einen zweiten Smartmeter ein oder betreibt ggf. mehrere smarte Steckdosen. Bei einer Wallbox zum Laden des Autos beispielsweise könnt ihr einen weiteren Shelly Pro3EM* einbauen. Euren Zweitspeicher koppelt ihr dann mit diesem Shelly. Eingespeist wird nur, wenn die Wallbox Strom abgibt. Alternativ funktioniert das auch mit anderen Großverbrauchern über smarte Steckdosen (Shelly Plug S*). Eine an die Waschmaschine, eine an den Wäschetrockner, eine an den Kühlschrank – und was sonst noch alles viel Strom bezieht. Nur diese smarten Steckdosen koppelt ihr dann an den zweiten Speicher und dieser versorgt dann exklusiv diese Geräte. Der restliche Strombedarf des Hauses und das, was der Zweitspeicher nicht abzudecken vermag, übernimmt der Hauptspeicher, der ja am Hausanschluss misst. Hat euer Zweitspeicher eine Notstromsteckdose, dann könnt ihr auch über diese Steckdose einen Großverbraucher versorgen.
Die ganze Lösung #3 funktioniert auch wieder nur, wenn der Zweitspeicher direkt angeschlossene PV-Module hat, von denen er den Strom speichern kann.
Lösung 4: Kaskadierung
Ihr schließt einen zweiten Speicher an die Notstromsteckdose des leistungsstarken Speichers an. In 2026 kommen zahlreiche Modelle mit über 2kW Eingangsleistung für Mikrowechselrichter auf den Markt. Und dort könnt ihr natürlich auch bestehende Speicher anschließen oder die PV-Modulanzahl einfach durch weitere Wechselrichter erhöhen. Der Notstrom-Eingang frisst alles. Nicht nur am Zendure SolarFlow 2400Pro*, sondern auch bei anderen Herstellern, die jetzt in 2026 alle solche leistungsstarken Systeme auf den Markt bringen. Technisch ist das eine saubere Lösung, allerdings ergeben sich damit zusätzliche Verluste. Ich teste genau diese Konstellation, also das Durchschleifen eines zweiten Speichers durch den Notstromeingang des großen Speichers, seit mehreren Wochen. Ohne Probleme. Im SolarFlow2400Pro* kostet euch das Spielchen dauerhaft ca. 10W, denn das ist der Zusatzverbrauch des Systems mit aktivierter Notstromsteckdose. Im Winter also nicht zu empfehlen, in der Übergangszeit und im Sommer, wenn sowieso zu viel PV-Leistung vorhanden ist und ihr gerne so viel wie möglich eigene PV-Erzeugung verbrauchen wollt, da ist das schon eine Überlegung wert. Das ausführliche Testvideo zum SF2400Pro kommt ja erst noch, aber ich kann euch jetzt schon sagen, dass ihr mit dem Gerät nichts falsch macht. Testergebnisse sind bis auf ein unerklärliches Phänomen bei der unterbrechungsfreien Stromversorgung und bei den noch nicht ganz perfekten Reaktionszeiten alle sehr zufriedenstellend. Link zum Produkt stelle ich euch deshalb hier mal zur Verfügung. Ich weiß ja, dass es einige von euch nicht erwarten können. Link zum Zendure SolarFlow 2400Pro (affiliate Link).

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